| Populärkultur und ästhetische Alltagspraxis Der Begriff des Populären ist schillernd und nicht frei von Ambivalenzen. Auf der einen Seite dient er der Beschreibung von Artefakten, die sich durch allgemeine Bekanntheit, Vertrautheit und Zugänglichkeit auszeichnen. Diese Dimension des Begriffes, in der das Populäre als positive Bewertungskategorie erscheint, hat als Kehrseite die Dimension der massenmedialen Verbreitung, auf die bezogen sich Bekanntheit und Zugänglichkeit als kommerzielles Kalkül einer ‚Kulturindustrie’ erweisen. Das jedermann Zugängliche steht unter dem Verdacht, als Gestaltungsmaxime den kleinsten gemeinsamen Nenner zu nehmen, dem jede Spezifik, Einmaligkeit, Individualität und jedes künstlerische Wagnis abgeht. Doch die kommerziell gesteuerte massenmediale Verbreitung von Artefakten bildet nur eine Seite populärkultureller Erscheinungsformen. Ihr gegenüber steht die Bildung von Subkulturen, d.h. die Entstehung ästhetischer Zeichensysteme, die für die jeweils spezifische Gruppe zusammenhaltende, identitätsstiftende Funktionen hat. Das Populäre im Sinne von zugänglichen Artefakten und ästhetischen Alltagspraxen geht nicht in Massenphänomenen auf, sondern kreiert eigene soziale und politische Räume. In diesem Sinne, weil das eine ebenso wenig wie das andere aus dem Feld des Populären wegzudenken ist, lässt sich bezogen auf den Begriff des Populären von einer Ambivalenz sprechen. Die Analysen der „cultural studies“ wenden sich dieser Ambivalenz zu und thematisieren populäre Kulturen unter dem Aspekt ihrer alltäglichen Praxen und individuellen Bedeutungen. Die ZÄB möchte in dieser Ausgabe Beiträge versammeln, in denen Aspekte der Ambivalenz Berücksichtigung findet, wobei im Hintergrund die Frage nach dem pädagogischen Umgang mit Artefakten und ästhetischen Praxen populärer Kulturen steht. Dabei sind auch historische Perspektiven denkbar. Vorgeschlagene Themenfelder a) Beobachtungen zu ästhetischen Alltagspraxen b) Ästhetische Artefakte und Praxen der Kinderkultur c) Historische Beispiele ästhetischer Alltagspraxis d) Fragen der Vermittlung ästhetischer Alltagspraxen e) Künstlerische Avantgarden und POP – eine Chance für Kunst- und Musikdidaktik?
Einsendeschluss: 30. März 2012 |
© 2009-2012 ZEITSCHRIFT ÄSTHETISCHE BILDUNG (ISSN 1868-5099)